Was müssen Kitzbetreuer beachten?

Für die Aufzucht sollten Sie die folgenden Punkte beachten und gut überlegen, ob Sie dies alles ermöglichen können. Leider meinen viele Leute es irgendwie zunächst provisorisch versuchen zu wollen. Oft hört man den Satz, wenn es dem kleinen Tier schlechter geht sehen wir es ja und können dann immer noch rasch handeln. FALSCH !! Kitze die beispielsweise mit der falschen Milch getränkt werden oder mit falschen Medikamenten behandelt werden sterben oft unerwartet schnell. Einige Tage, manchmal sogar ein paar Wochen zeigt sich das Kitz munter und gesund, springt lebensfreudig umher, dann kommt plötzlich und unerwartet der Zusammenbruch und innerhalb weniger Stunden stirbt das kleine Kitz elendig! Wer erst warten will ob es dem Tier bald schlechter geht und dann erst bereit ist zu handeln oder ernstgemeinten Rat anzunehmen, der sollte kein Tier in seiner Obhut haben! Wir können auf langjährige Erfahrungen zurückblicken und möchten jeden ermahnen, dem Tier unnötiges Leid und Qualen zu ersparen, nehmen Sie bitte unsere Ratschläge ernst und handeln Sie sorgfältig mit dem kleinen auf Sie angewiesenen Lebewesen!

Wer bereit ist ein Kitz aufzuziehen muss sich darüber im Klaren sein, dass er es immerhin ein gutes Jahr bei sich haben wird. Er muss es ein gutes halbes Jahr oft sogar länger mit der Flasche versorgen, es noch über den Winter bringen und im folgenden Frühjahr zur Auswilderung vorbereiten und schliesslich nach so langer Zeit gehen lassen.

Sie brauchen ausreichend Platz im Haus und ein gut eingezäuntes Grundstück (Gehege ohne Giftpflanzen! siehe Unterkunft) Sie brauchen auch die finanziellen Möglichkeiten um die Kitzversorgung zu gewährleisten (Medikamente und tägliche Versorgung kann schnell ins Geld gehen). Auch sollten Sie sich im Klaren darüber sein, dass es keine Wochenendaufgabe ist, Sie benötigen viel Zeit! Wer ganztags Berufstätig ist, kann kein Kitz aufziehen. Sie sollten genügend Liebe und Geduld aufbringen können, denn in der Kitzaufzucht wird alles andere schnell hinten an stehen müssen. Urlaub, Besuch, Ausgehen, alles wird nicht mehr in dem üblichen Ausmass machbar sein, denn das Kitz prägt sich nur auf eine Bezugsperson, selten auch auf zwei, wenn sich beide Bezugspersonen zeitgleich und mit gleicher Intensität um das Kitz kümmern. Durch die starke Prägung kann das Kitz auch nicht einfach abgeschoben werden, wenn man keine Lust mehr hat sich weiter zu kümmern. (Wenn Sie die Lust verlieren und es einfach abschieben, kann es für das Kitz tödlich enden). Prüfen Sie bitte selbstkritisch die nachfolgenden Punkte, ob Sie in der Lage sind, ob Sie genügend Willens sind und auch die Möglichkeiten besitzen, ein Kitz aufzuziehen. Andernfalls geben Sie es bitte umgehend in eine geeignete Aufzuchtsstelle.

Anforderungen an einen Kitzbetreuer

Aufzuchtsdauer. Sie müssen sich im Klaren darüber sein, dass Sie das Kitz für ein gutes Jahr betreuen müssen. Die Flasche benötigt das Kitz in den ersten Wochen ca. alle 2 Stunden (auch Nachts!), wenn es schwach und kränklich ist oder nicht richtig trinkt, sogar deutlich öfter. Erst später werden die Intervalle größer wenn es gut trinkt. Bis mindestens in den Oktober-November hinein müssen Sie das Kitz mit Milch versorgen. Zeitplan und Trinktabellen finden Sie auf den weiteren Seiten.

Verzicht. Kitzbetreuer müssen zum Verzicht bereit sein, denn ihr Leben wird sich von nun an nur noch um das Kitz drehen. Sie müssen Ihr Leben auf das Kitz komplett einstellen. Urlaub, Besucher, Kinoabende, Wochenendausfahrten und letztlich auch die Sylvesterparty können Sie nicht mehr im gewohntem Umfang ausleben.

Vollzeitanspruch. Eine Kitzaufzucht bedeutet Vollzeitarbeit. Rund um die Uhr, auch Nachts! Sind Sie bereit und in der Lage viele Nächte regelmässig aufzustehen, um das Kitz entsprechend zu versorgen? Ab der 2. Lebenswoche benötigt das Kitz täglich frisches Grün (Ernährung), gut eine Stunde müssen Sie für das täglich frisch gesammelte Grün aufbringen. Eine gute Einkaufstasche voll sollte dem Kitz täglich frisch angeboten werden. Auch wenn es nicht alles fressen wird, es braucht Auswahl und eine reichhaltige Menge, wo es sich die besten Stücke selbst heraus sammeln kann.

Geldausgaben. Eine Kitzaufzucht geht schnell ins Geld. Es können regelmässige Geldausgaben bedacht werden (Aufzuchtsmilch, Ernährung, Waschmittel, Hygieneartikel ...) und unregelmässige Geldausgaben einkalkuliert werden (Tierarzt, Medikamente, Bau und Verbesserung eines entsprechenden Geheges für drinnen und draussen, ...)

Platz. Sie brauchen entsprechend Platz, um ein Kitz halbwegs vernünftig unterzubringen. Im Haus benötigen Sie mindestens eine Unterbringungsbox (kein Kaninchenstall oder ähnliches) welche mind. 2m² misst. (Unterbringung) Spätestens mit der 2. Lebenswoche müssen die Kitze entsprechen Freilauf bekommen und brauchen ein sicheres Gehege (auch gegen Greifvögel mit einem Netz gesichert) von mindestens 30 m² um Kondition, Bänder, Sehnen, Muskulatur und Kreislauf zu stärken. Später benötigen die Kitze wesentlich mehr Platz! Ab einem Alter von ca. 6 Wochen sollte das Gehege mindestens 200-300 m² haben. Dies sind Mindestangaben keine Idealen. Bedenken Sie auch die spätere Auswilderung. Wo und wie wollen Sie diese ermöglichen? Wenn die Kitze mehrere Monate alt sind, benötigen sie wieder ein grösseres Gehege.

Toleranz. Kitzbetreuer müssen gegenüber Schmutz und Gerüchen recht tolerant sein. Die kleinen hinterlassen Losung (Kot) und Urin in den Unterbringungsboxen, auf den Handtüchern und Decken, die als Schlafplatz dienen. Sie werden die Decken und Tücher (auch die Sabberlätzchen nach den Milchgaben) in Ihrer Waschmaschine waschen müssen. Tolerant muss man auch gegenüber kleinen Käfern und Insekten sein, die man am Grünfutter manchmal mit einsammelt. Auch Sand und Einstreu machen Schmutz im Haushalt.

Hohe Hygieneansprüche. Die Milchflaschen müssen peinlich genau gesäubert werden! Nach jeder Fütterung! Milchreste dürfen nicht kleben bleiben, sie verderben und machen das Kitz krank. Auch die Unterkunft muss täglich gesäubert werden. Ungepflegte Ställe ziehen im Sommer Fliegen und Maden an, die dem Kitz Schaden zufügen!

Genehmigungen. Gegebenenfalls brauchen Sie für die Kitzaufzucht behördliche Genehmigungen und einen Nachweis zur Sachkenntnis.

Fähigkeit Loszulassen. Nach all dem Kummer und der ganzen Aufopferung muss der Kitzbetreuer, das nun halbwüchsige Rehkitz, im folgendem Frühjahr loslassen können, auf dem Weg in die Freiheit!

Können Sie dies nicht leisten, so geben Sie das Kitz bitte umgehend in eine geeignete Kitzstation und seien Sie lieber ein tierlieber Mensch als ein selbstsüchtiger Tierstreichler.

Wer allerdings diese Herausforderung mit dem nötigen Sachverstand und Herz annimmt, der wird mit unvergleichlichen schönen Erlebnissen und Erinnerungen für sein Leben belohnt werden. Das Vertrauen dieser zarten und scheuen Wesen geschenkt zu bekommen ist unbeschreiblich! Sie sind auch nicht allein gelassen, wir versuchen nach allen Möglichkeiten mit Rat und Auskunft zur Seite zu stehen. Viele Kitzbetreuer wollen diese Zeiten nicht missen.

Es empfiehlt sich ein Heft oder kleines Buch anzulegen in dem Sie die Aufzucht dokumentieren. Täglich sollten Sie alle Milchmahlzeiten und Mengen sowie die Gewichtskontrolle eintragen.

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