Als liebevolle Kitzersatzeltern fürchtet man diesen Tag obwohl man viele Monate auf ihn hingearbeitet hat. Der Tag der Auswilderung ist nicht gleichzusetzen mit einem einfachen Aussetzen. Wenn das Kitz vernünftig aufgezogen wurde und gut vorbereitet wurde kann man es im Frühjahr in die Freiheit entlassen, sobald es in der Lage ist sich selbst zu versorgen und ohne menschliche Hilfe auskommt. Dies gilt nicht für Rehe die Medikamente regelmässig benötigen oder durch andere Umstände nicht ohne menschliche Hilfe auskommen würden.


Die Freiheit lockt

Unsere Kitze begehen nun das erste Mal in ihrem Leben das Auswilderungsgehege, welches durch ein Tor mit dem Babygehege verbunden ist. Wenn die Zeit gekommen ist öffnen wir diese Tor und begleiten die Kitze in das 1ha grosse Auswilderungsgehege. Das Tor zum heimischen Babygehege bleibt jedoch uneingeschränkt geöffnet, so dass die Kitze jederzeit die Wahl haben in ihr vertrautes Heim zurück zu kehren. Dies ist für unsere Kitze die erste Phase der Auswilderung.

Wir können hierdurch immer noch die Kitze aufsuchen und kontrollieren, können den Allgemeinzustand begutachten und nofalls eingreifen, wenn ein Tier noch nicht mit den neuen Bedingungen zurecht kommt.

Wenn die Zeit reif ist und die Kitze alt genug sind werden sie im darauf folgenden Frühjahr in die Freiheit komplett entlassen. Damit wir hier regional keine unplanmäßige Rehpopulation haben arbeiten wir mit einem Netzwerk von Helfern zusammen, mit deren Hilfe wir auch anderswo die Kitze schonend in die Freiheit entlassen können.

Der erste Schritt zur Selbständigkeit durch das Tor vom Babygehege ins 1ha grosse Auswilderungsgehege.

Vorsichtig gehen sie die vorbereiteten Laufwege entlang

Hier ist alles neu und interessant. Ein Stück sichere Freiheit.

Die Zaunbegrenzung wird abgeschritten und die Grenzen werden ausgelotet.

Hier gibt es hohes Gras, Kräuter, Lichtungen, Hügel, Büsche, Sträucher, Rennstecken, wilde Nachbarn, Freiheit und trotzdem noch sichere Versorgung und heimischen Schutz. Hier können sich unsere Schützlinge sanft entwöhnen.

Wenn sich unsere Schützlinge nach der Auswilderung hin und wieder mal zu Besuch zeigen weiß man, wofür man all die Mühen auf sich genommen hat.


Erfahrungsbericht der Aufzucht und Auswilderung

AUSWILDERUNG MEINER REHKITZE   von Fr. Yahya aus Berlin

Im Mai 2008 zog ich 3 Rehkitze (Maya, Max u. Lisa) mit der Flasche auf. Maya trank selbständig aus der Flasche und es ging ihr nie schnell genug sie zu bekommen. Lisa und Max hingegen sträubten sich und verweigerten regelmäßig die Milchflasche. So mussten die beiden mit der Futterspritze mit ausreichend Milch versorgt werden. Das war nicht immer einfach und dauerte seine Zeit bis jedes Kitz seine nötige Milchmenge getrunken hatte. Schnell waren so 2 Std. um bis alle versorgt waren und ich konnte fast gleich wieder von vorne mit dem ersten Kitz beginnen! Doch trotz aller Sorgen u. Strapazen ist es auch wunderschön die Kitze aufwachsen zu sehen. Im Frühjahr 2009 als Maya, Max u. Lisa dann gut 11 Monate alt waren, wilderte ich sie nach behutsamer Vorbereitung erfolgreich aus.  Kurz darauf kamen dann wieder zwei kleine Notfallkitze zu mir (Moritz u. Laura), auch sie wurden zu Flaschenkindern in meiner Obhut. Die drei großen (Maya, Max u. Lisa) kamen immer noch täglich zu Besuch und die beiden kleinen (Moritz u. Laura) wurden mit jedem dieser Besuche immer unruhiger. Mir war klar, sie wollten raus und mit den anderen Rehen umherziehen! Als Moritz und Laura dann ein halbes Jahr alt waren, war diese Unruhe nicht mehr zu bändigen und ich musste die beiden kleinen schon in diesem Alter mit den anderen ziehen lassen. So waren Moritz und Laura früher als gewollt in die Wildnis entlassen. Das gute daran war, dass sie sich zusammen mit Maya, Max und Lisa einer Gruppe wilder Rehe angeschlossen hatten und meine größeren Kitze mich immer noch täglich aufsuchten und so die kleinen im Schlepptau mitbrachten. So konnte ich die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Rehe stets gut im Auge behalten und sie im Winter weiterhin versorgen. Sie alle haben den harten Winter super überstanden, und mit vielen wilden Rehen gemeinsam verbracht. Jetzt im April 2010 sind Maya u. Lisa hochtragend und Moritz besteht mit seinen 11 Monaten noch immer auf seine Milchflasche. In der Regel halten sie sich in der näheren Umgebung auf, ziehen aber auch noch mit der wilden Gruppe herum. Außerhalb meines Einflusses verhalten sie sich wie ihre wilden Artgenossen was ich täglich sehr schön beobachten kann. Ich bin froh ihnen so ein wirklich artgerechtes Leben bieten zu können. Ich verfüge zwar über ein 3 ha grosses Grundestück mit Wiesen und einem kleinem Wäldchen inmitten von Feldern und weiteren Wiesengebieten, doch ich stelle immer wieder aufs Neue fest, dass mein Platzangebot mit 3 ha meinen Rehen tatsächlich nicht gerecht wird. Auch wenn sie immer wieder zu mir zurückkommen, ziehen sie immer größere Kreise mit ihren wilden Artgenossen. Nicht etwa weil sie auf Futtersuche sind (Futter ist in nächster Umgebung mehr als reichlich vorhanden), sondern weil es einfach in ihrer Natur liegt sich über größere Distanzen zu bewegen. Trotz der Aufzucht in Menschenhand haben sie ihren natürlichen Instinkt nicht verloren und verhalten sich wie alle anderen Rehe die in der Natur aufwuchsen. Warum also sollte ich meine vollkommen gesunden Tiere für die nächsten 20 Jahre in ein Gehege sperren, welches NIE ihren wahren Bedürfnissen gerecht werden kann? Mein größter Wunsch ist es, dass jedes Kitz bei seiner natürlichen Mutter in seinem natürlichen Umfeld aufwachsen kann. Für meine Flaschenkitze die auf ihre natürliche Mutter bereits verzichten müssen, möchte ich zumindest die spätere natürliche Umgebung und Freiheit ermöglichen. Darum engagiere ich mich mit vollem Einsatz für die Rehkitzrettung und hoffe, dass andere diesem Engagement folgen werden.

 

Besucher im Winter

Diese schönen Aufnahmen machte Fr. Yahya als ihre Schützlinge im Winter auf Besuch vorbei schauten. Ihr gegenüber sind die Kitze aus dem letzten Jahr (nun schon Rehe) immer noch recht zutraulich und nähern sich auf Körperkontakt. Diese innige Zusammenkunft ist jedoch nur im vertrautem Umfeld und bei vertrauten Menschen möglich, sobald fremde in der Nähe sind, verhalten sich auch die Handaufzuchten genauso naturgemäss scheu, wie ihre wilden Artgenossen, denen sie sich problemlos anschliessen und Gruppen bilden. Auch die Kastraten ziehen in der Gruppe vergesellschaftet und akzeptiert mit.

Die Kitze in der natürlichen Gruppe integriert

Moritz erzählt von seinen Abenteuern in der Wildnis und freut sich über sein geliebtes Knäckebrot

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