Ernährung beim Kitz

Fütterungsorientierung:

Verträgliche Milchsorten sollten peinlich genau eingehalten werden, andere Hersteller und Marken, andere Milcherzeuger sind strikt abzulehnen, wenn die Kitzaufzucht nicht scheitern soll. Immer wieder bestätigt sich die Unverträglichkeit durch den Tod der Kitze, wenn andere Produkte genommen werden (Viele Firmen “panschen” in die Lämmermilch auch Saumilch, Kuhmilch und anderes, was bei einem Rehkitz 100%ig zum Tode führt! Spätestens nach 3 Wochen versterben die Kitze plötzlich und unerwartet innerhalb weniger Stunden!)

Verträgliche Milch: Ziegenmilch (auch aus Tetrapack 3,5%), Lämmeraufzuchtsmilch von der Firma Bergophor, Biestmilch “Globulac L” der Firma Bergophor.  Schafsmilch bedingt geeignet.

Die ideale Milchtemperatur liegt bei 38 - 39,5  Grad. Bei anderen Temperaturen kann es zu Magen- oder auch Darmproblemen kommen, die Kitze verweigern dann auch wegen Bauchschmerzen die weitere Fütterung.

Nach der Altersbestimmung wird die Trinkmenge bestimmt.
Biestmilch für Rehkitze unter 1800 gr.
ohne diese Biestmilchversorgung können die Tiere auch später noch eingehen, selbst wenn es mit der passenden Aufzuchtsmilch versorgt wird, bricht das körpereigene System ohne Biestmilchversorgung später zusammen.

Neugeborene Rehkitze, Kitze unter 1800gr. erhalten in den ersten beiden Tagen Lämmerbiestmilch (erhältlich bei Firma Bergophor “Globulac L Milch” oder bei Ziegenzüchtern, Schafszüchtern, die manchmal eingefrorene Biestmilch haben). In den darauf folgenden Tagen wird nicht plötzlich auf die Aufzuchtsmilch umgestellt, sondern langsam die Milch immer mehr vermengt, so dass am 5. Tag nur noch die Aufzuchtsmilch gegeben wird. Die sorgfältige Fütterung/Tränkung entscheidet über Erfolg und Misserfolg in der Kitzaufzucht. Wer hier an der passenden Milch sparen möchte oder unsorgsam mit den Zeiten ist, wird das Kitz verlieren!

Die Trinktabelle ist nur ein Anhaltspunkt, wenn die Kitze mehr trinken möchten, so ist es ein gutes Zeichen und sollte auch angenommen werden. Versuchen Sie alles Mögliche, um die Mindestmengen in den Fütterungen zu ermöglichen, notfalls füttern Sie häufiger um eine Unterversorgung zu vermeiden. Beachten Sie auch, dass jedes Tier individuell zu betrachten ist.

Übersichtstabelle für Trinkgaben (ca.! gern auch mehr! Möglichst nicht weniger!)      

2 Kg schwer: Alle 3 Stunden 150 ml Ziegenmilch
3 Kg schwer: Alle 4 Stunden  170 bis 200 ml 
4 Kg schwer: Alle 4 Stunden  190 bis 210 ml 
5 Kg schwer: Alle 4 Stunden 210 bis 250 ml
6 Kg schwer: Alle 4 - 5 Stunden    220 bis 250 ml, 

und so weiter....

Beim oder spätestens nach dem Tränken sollte auf jeden Fall mit einem weichem Tuch das Kitz angeregt werden Kot und Urin abzusetzen. Das können die kleinen anfangs noch nicht allein. Die Mutter beleckt ihre Kitze während des Säugens, dies muss nun ersatzweise mit einem Tuch von Ihnen übernommen werden.

Wird ein Kitz auf den Hinterbeinen wackelig, schwach und beginnt mit dem Kopf zu wackeln, den Kopf zu verdrehen und nach hinten über zu strecken (Sternengucker) müssen Sie sofort handeln! Die Milchmenge ist zu gering, die Flüssigkeitsversorgung nicht ausreichend. Vitamin B fehlt. Rufen Sie einen Tierarzt zu Hilfe, Vitamin B und Flüssigkeitshaushalt muss aufgefüllt werden, bestenfalls per Injektion/Infusion. Seien Sie mit den Trinkmengen sorgfältiger.

Das Kitz muss täglich zunehmen, kontrollieren Sie die Zunahme täglich und führen Sie ein Protokoll. Bitte täglich ca. zur gleichen Zeit wiegen und auf die Tabelle übertragen. Tabelle weiter führen:

Datum/Tag: …………… Gewicht:………………. weiteres ...........................................

Datum/Tag: …………… Gewicht: ……………… weiteres ............................................

… am Gewicht kann man schnell erkennen ob die Entwicklung gut verläuft, darum bitte täglich wiegen.

 


Nicht nur Milch allein ist nötig

Hier finden Sie ein paar Beispiele, was Sie dem Kitz in welchem Alter noch zusätzlich zur Milch alles anbieten können, damit die Entwicklung gut verläuft.

In der ersten bis dritten Lebenswoche

Kitze beginnen schon mit dem 3. Lebtag an zartem Blattgrün, zarten Gräsern und Kräutern zu knabbern. Richtig aufnehmen werden sie aber in der Regel erst mit der ersten Woche. Auch benötigen sie schon ab dem 3. Lebenstag frische, feinkrümelige Erde die sie aufnehmen müssen! Am besten von einem frischen feinen Maulwurfshügel ein paar Löffel täglich frisch einsammeln und dem Kitz zur frei verfügbaren Aufnahme hinstellen. Zarte Knospen von unbehandelten Laubbäumen (keine jungen Eichenblätter! die sind giftig!) Ahorn, Birke, Weide, Obstbäumen, zarte Gräser, Löwenzahn, Kleeblättchen, Spitzwegerich, Vogelmiere .. kann angeboten werden. Bitte täglich frisch, damit die Gräser nicht faulen und verderben. Auch sollten Sie verschiedenen Tee mit Traubenzucker (auf eine Tasse nicht mehr wie einen TL Traubenzucker) anbieten. Auch frisches Wasser sollten Sie zur freien Aufnahme anbieten und immer wieder interessant machen.

ab der vierten Lebenswoche

kann begonnen werden zusätzlich zu dem voran beschriebenem dazu zu füttern; zarte oder grobe Haferflocken, naturbelassenes Müsli, ungeschwefelte Rosinen, kleingeschnittenes Obst, Ananas, Banane, Weintrauben, Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Äpfel, Birnen, Physalis, Mohrüben, Maronen, gehäckselte Wallnüsse, Kokosnussraspeln, Haselnuss, Corn Flakes, Maisflocken, Johannisbrot, zerkleinertes Knäckebrot, Mais, Sunagraspellets, gekochte Nudeln, gekochte Kartoffeln, getrocknetes Früchtebrot, getrocknete Kräuter u.v.m (natürlich alles in maßen und nicht in massen!)

tägliches Wiegen ist Pflicht! Buchführen auch

verschiedenes Grün muss täglich frisch gesammelt werden

Ein Futterplan für genügend Abwechslung “könnte” so aussehen:

Montag: kernige Haferflocken, Apfelstückchen, Banane, Johannisbrot und Pellets

Dienstag: Nüsse, Müsli, Birne, Kiwi, Weintrauben, Physalis, gek. Nudeln,

Mittwoch: zarte Haferflocken, Rosinen, Corn Flakes, gek. Kartoffeln, Pellets, Mais

Donnerstag: getr. Frücktebrot, Knäckebrot, Maisflocken, Johannisbeeren, Erdbeeren

Freitag: Nüsse, Müsli, Pellets, Himbeeren, Weintrauben, Johannisbrot, Möhren

Samstag: Apfelstücke, Birne, kernige Haferlocken, getrocknete Kräuter

Sonntag: zarte Haferflocken, Mais, gek. Nudeln, Knäckebrot, Kiwi, Physalis,

 

Wichtig! Frisches Wasser, Tee, frische Erde und die o. g. Milchgaben sollten trotzdem in vollem Umfang gewährleistet werden. Auf die Verträglichkeit des jeweiligen Einzeltieres ist Rücksicht zu nehmen und zu achten (auch Tiere können gegen manche Lebensmittel Unverträglichkeiten zeigen oder sie nicht mögen) Frische Kräuter und frisches Blattgrün ist dem Kitz ebenfalls täglich frisch anzubieten. (Es soll ja auch die Auswilderung vorbereitet werden und die natürlichen Gräser und Kräuter als Nahrung kennen)

Sie können auch solche Gräser und Kräuter selbst aussähen und ziehen. Unter www.kiepenkerl.de unter Wildackersaaten finden sie die Hasenapotheke mit besten Kräutern und Gräsern oder die Reh und Hasengartenmischung. Auch verschiedene Wildschutzmischungen sind geeignet.


Wer selbst sammelt kann Geld sparen

Ob Laubheu, Trockenkräuter, Nüsse, Mais oder mehr, verschiedene Futtersorten können Sie auch kostenlos mit etwas Arbeitskraft selbst einsammeln und verwenden.

Mais: Wenn die Maisfelder abgeerntet sind, bleiben stets noch unzählige Maispflanzen stehen und liegen. Die Pflanzen sowie auch die Maiskolben können Sie einsammeln (ist erlaubt) und für Ihre Tiere mitnehmen. Einige Tage halten die Pflanzen länger, wenn man sie im Wassereimer stellt. Das Blattgrün mögen Rehe ebenfalls gern. Wir brechen auch den harten Stengel auf und holen das Mark heraus, das ist besonders schmackhaft und wird gern genommen. Die Maiskolben sind häufig noch in den Blatthülsen liegend, diese schälen wir auf und verknoten die Kolben damit zu einer Staude. So hängen wir sie dann zum Trocknen auf und haben den ganzen Winter über Maiskolben zur Fütterung. Wenn die Kolben nicht luftig gelagert werden schimmeln sie und dürfen natürlich nicht mehr verfüttert werden. Die einzelnen Maiskörner pulen wir vor der Fütterung ab, den ganzen Kolben sollte man nicht reichen. Maiskolben die kein Blattwerk mehr haben kann man auch in einem Korb oder Pappkisten (Äpfelkisten, stapelbar) platzsparend lagern, hier muss auf genügend Luft und Platz geachtet werden, liegen die Kolben zu dicht und auf einem Haufen, schimmeln sie.

Nüsse: Ob Wallnüsse oder Haselnüsse, Maronen oder Eicheln, vieles lässt sich einfach und kostengünstig sammeln. Bei den Nüssen und Eicheln ist allerdings drauf zu achten, dass bestenfalls der Wurm nicht drin enthalten ist. Die Lagerung ist hier ebenfalls sehr wichtig! Alles was schimmelt ist nicht mehr zu verfüttern. Im Backofen kann man die Nüsse auch trocknen und in einem Korb oder einem Leinensack o. ä. anschliessend lagern.

Laubheu und Trockenkräuter: Der Winter kommt, das ist sicher, dann wird es kein frisches Blattgrün mehr geben und die abwechslungsreiche Nahrung wird teuer wenn man Trockenkräuter aus dem Zoomarkt kauft. Wer den Sommer über fleißig selbst sammelt und trocknet kann Unmengen an Geld sparen! Ein Trockenrost (aus Hasendraht oder feinem Gitter oder Netzen können Sie im Schatten aufstellen und frisches Laub und Kräuter darauf ausbreiten. Wenn es so trocken ist, dass es knistert wenn man das Blatt zerdrückt ist es trocken und kann in einem Papiersack oder Kopfkissenbezug oder Jutesack trocken gelagert werden. Auch ganze Weidenzweige können zusammengebunden werden (wie Blumenstrausstrocknen) und zum Trocken aufgehangen werden. Im Winter können diese Zweige dann in die Erde gespiesst werden und die Rehe können die trockenen Blätter selbst abäsen. (Gleichzeitig noch eine natürliche Beschäftigung für die Rehe im Winter). Schaffen Sie so viel Blattwerk wie möglich zum Trocknen ran, Sie werden sehen, wie schnell sich das Laubheu verfüttert! Fragen Sie sonst auch in Baumschulen nach, ob Sie den Baumschnitt abholen können. In den Baumschulen wird häufig der Baumschnitt einfach weggeworfen. Verwenden Sie aber nur geniessbares und ungiftiges Blattwerk (nur Obstbaumschnitt, Rosenblätter und Blüten entfernen Sie die Dornen! Weidenblätter und Zweige)

Trockenfrüchte: Äpfel, Karotten, Birnen und co können Sie auch selbst in kleine Scheiben schneiden und Lufttrocknen. (nicht schwefeln!) Gehen Sie sorgfältig vor und sparen so viel Geld im Winter. Die Rehe danken die Abwechslung im Speiseplan.

Im Futterhandel für Großtiere (für Pferde, Nutztiere) erhält man auch unbehandelten Futtermais, Futterkarotten und Pellets (Sunagras, Schäferstolz können wir empfehlen) Auch von Bergin Bergophor die Lämmerpellets sind empfehlenswert. Auf die Zusammensetzung ist zu achten! Keines Falles auf Pferdefutter zurückgreifen !! Zu viel Kupfer ist für Rehe unverträglich und sie verenden bei falscher Fütterung!

Es gibt eine Vielzahl an verträglichen und empfehlenswerten Futtermitteln die auch käuflich zu erwerben sind, doch wenn man etwas sparen kann, sollte man dies auch nutzen.

Maiskolben miteinander verknoten und zu Stauden bilden, dann zum Trocken aufhängen. So können sie den Winter über draussen lagern

selbst geerntete Wallnüsse

getrocknete Apfelscheiben und Karottenscheiben aus dem Kaufhaus (etwas teuer aber eine schöne Alternative). Lämmerpellets (Schäferstolz), Sunagraspellets.

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