Grundwissen rund ums Reh

Basisinformationen

Körperliches zum Reh

Werdegang eines Rehes

Lebensraum

Tragzeit, Setzzeit, Aufzucht,

Bestandsregulierung  Feinde

Nahrungsangebot

Tagesablauf, Lebensweisen

Rehe gehören zu einer der am häufigsten untersuchtesten Wildtierarten weltweit. Sie sind jedoch in ihren Verhaltensweisen sehr individuell was bei den Aussagen stehts in Verallgemeinerungen zu Widersprüchen führen kann. Regional bevorzugen Rehe individuell verschiedene Futterpflanzen, die von anderen Rehen beispielsweise verschmäht werden, unterschiedliches Laktationsperioden und sogar die Milchzusammensetzungen können variieren. Man unterscheidet Rehe in drei verschiedenen Grundarten. Das Europäische Reh, Sibirisches Reh und Chinesisches Reh. Wir befassen uns hier eingängiger mit dem Europäischen Reh.

Rehe sind Wiederkäuer und gehören zu den kleinen Paarhufern. Sie können ein Gewicht von bis zu 30 kg erreichen. Die Rückenhöhe beträgt zwischen 60-95cm beim ausgewachsenem Tier. Böcke sind etwas grösser als die Ricken (Weibchen). Der Bock trägt ein Geweih mit 1-3 Enden. Die Ricken tragen kein Geweih. Die Lebenserwartung liegt ungestört bei 6-10 Jahren. Der ungestörte (nicht verunglückt, nicht tot geschossen) Lebenslauf eines Rehes verläuft je nach Geschlecht unterschiedlich.

Mit fast einem Jahr sind die Tiere beinahe ausgewachsen und verlassen die bereits wieder tragende Mutter, sobald diese ihre Kitze gesetzt hat. Oftmals kehren jedoch einige weibliche Jungtiere zu ihrer Mutter zurück, sobald diese ihre neuen Kitze mit sich führt und bilden zusammen eine kleine Familiengruppe (Mutterfamilie) Selten dürfen die jungen Böcke aus dem letztem Jahr zur Mutterfamilie mit einkehren, meist leben diese im ersten Halbjahr allein und können erst im Winterhalbjahr in die offene Herde einkehren (ein kommen und gehen von individuell bekannten Tieren die im Winter eine Herde bilden). Rehe setzen (gebären) das erste mal in einem Alter von ca. 2 Jahren und können anschliessend jährlich Kitze bekommen. Rehböcke sind zwar zur gleichen Zeit wie die Ricken zeugungsfähig, können sich aber erst fortpflanzen, wenn sie ein eigenes Territorium erobern konnten, also mit ca. 3 bis 3 1/2 Jahren. Etwa die Hälfte bis zu einem Drittel der Ricken wie auch Böcke unternehmen zwischen dem 1-2 Lebensjahr mehrere Exkursionen und entfernen sich aus dem elterlichen Heimgebiet, kehren aber zunächst immer noch zur Mutter zurück und verbringen den Winter noch gemeinsam. Einen neuen Lebensraum erschliessen sich die Jungtiere in etwa 2-30 km Distanz zum Heimgebiet. Der übliche Lebensraum muss den besonderen Ansprüchen der Rehe gerecht werden können. Übergänge zum Wald von vielfältigen Kulturlandschaften und Kräuterwiesen mit genügend Deckungsmöglichkeiten und Aufzuchtszonen werden bevorzugt von Rehen beheimatet. Rehe sind sehr ortstreue Tiere die in relativ kleinen Territorien von ca. 10-30 ha leben. Gelegentlich wechseln sie ihr Territorium, allerdings nicht häufiger als 1-2x in ihrem Leben, hierfür legen sie dann jedoch auch schonmal vorkommend weite Strecken von bis zu 30 km und mehr zurück. Die Mutterfamilien leben in Heimgebieten die sich mit anderen Heimgebieten anderer Mutterfamilien gelegentlich überlappen können. Dies wird soweit toleriert, sofern jede Ricke ein eigenes Aufzuchtsgebiet für ihre Kitze hat. Die Böcke sind im Sommerhalbjahr mit Rangkämpfen und Territoriumskämpfen beschäftigt. Hierbei können ernste Verletzungen durch die Spießer (das Geweih) dem Gegner entstehen und ggf. kann der Gegner sogar tödlich verletzt werden. Die Paarungszeit findet im Juli bis August statt, ggf. kann es noch zu einer sog. Nachbrunft im November und Dezember kommen. Die Tragzeit beträgt ca. 10 Monate wobei in dieser Zeit eine Eiruhe über die Wintermonate dazu zählt. Die Kitze werden dann ab April bis in den Juli hinein gesetzt (geboren). Mehrlingsgeburten sind bei Rehen keine Seltenheit, zwischen 1-4 Kitzen kann eine Ricke bekommen, zumeist sind es allerdings zwei Kitze die in einem Versteck gesetzt werden. Die erste Zeit (1-4 Wochen, meist aber 3 Wochen) sind Kitz und Mutter getrennt und die Mutterricke sucht ihr Kitz nur alle paar Stunden auf, um es zu versorgen, zu putzen, zu säugen, mit ihm zu einem neuen Liegeplatz zu laufen. In diesen ersten Wochen läuft die Prägephase zwischen Mutterricke und Kitz. Die Ricke wird das Kitz nun die kommenden 3-6 Monate säugen, manchmal sogar den Winter hindurch. In einem Alter von 6 Jahren sieht man einem Reh sein Alter an, es wird schmaler, Böcke bekommen ein schwächeres Geweih und der Körper wirkt deutlich schwächer und älter. Tiere die das 10. Lebensjahr erreichen sind eine absolute Seltenheit. Oft fallen sie zuvor einem Unfall, einem wilderndem Hund oder meist dem Jäger zum Opfer. Jagd wäre im eigentlichen Sinne für die Populationsregulierung der Rehe nicht nötig. Die Besatzdichte, das Futterangebot und Rangordnungen regeln die Nachkommenschaft in der gesunden Population. Das Schutzgebiet im Bayrischen Wald macht es vor, hier ist die Jagd nicht erlaubt und die Population regelt sich ganz natürlich selbst. Es funktioniert also auch ohne Jagd. Zu den natürlichen Feinden des Rehes zählt nicht nur der Mensch, auch der Wolf, Luchs, Braunbär, für Kitze zudem noch der Fuchs und der Greifvogel. Wildernde Hunde sind ebenfalls eine Gefahr für Kitze und auch adulte (erwachsene) Tiere. Oftmals werden die Tiere so stark verletzt, dass sie daran leidlich eingehen oder in solche Panik versetzt, dass sie an Kreislaufversagen versterben (besonders in den Wintermonaten eine ernst zu nehmende Bedrohung, da sich der ganze Organismus der Tiere stark herab setzt und auf Sparflamme läuft. Eine Hetzjagd verbraucht zu viel Energie und braucht zumeist sämtliche lebensnotwendigen Reserven des Rehes auf, sie versterben). Die Inzestvermeidung ist ebenfalls natürlich bei den Tieren veranlagt. So verpaaren sich verwandte Tiere (Mutter und Sohn oder Schwester mit Bruder) nicht miteinander. Als sogenannte Nährstoffselektierer sind Rehe auf ein vielfältiges und großzügiges Angebot von heimischen Pflanzen angewiesen. Sie naschen ihren Bedarf ehe zusammen, als alles ungezügelt kahl zu fressen. Bevorzugen tun Rehe saisonal diverse Kost. Von Laub, Knospen, Wiesenpflanzen, Kräutern, verträgliche Pilze, Beeren, Früchte (Fallobst) Raps, Mais und sogar Kartoffeln und Runkeln bis hin zu Grünkohl nach dem ersten Frost. Im Frühling und Sommer bevorzugen sie leichtverdauliche und proteinreiche Nahrung (Wiesenkräuter, Kospen, junges Blattgrün) im Sommer bis Herbst: Obst und Früchte einheimischer Sträucher und Bäume, Buchecker, Reste der Felder, Mais, Kartoffeln etc. Im Winter mögen sie faserreiche und proteinärmere Nahrung wie Brombeerblätter, Raps, Wintergetreide, Weisstannen, Laub etc. Im Spätwinter sind Knospen sehr wichtig für Rehe. Rehe sind Fluchttiere und neigen zu Panik. Auch wenn ein Reh scheinbar ruhig an seinem Versteck liegen bleibt, so geht der Puls beträchtlich in die Höhe. Nach Möglichkeit sollte man ein Wildtier nicht stören und aufscheuchen, wenn man es entdeckt hat. Aktivitätszeiten lieben Schwerpunktmässig in der Dämmerung und in der Nacht. Rehe haben alle 2-4 Stunden eine Aktivitätszeit in der sie Nahrung sammeln, in der Kitzzeit ihren Nachwuchs versorgen und umherlaufen. Wechsel von Aktivitätszeiten und den anschliessenden Ruhezeiten zum Dösen und Wiederkäuen finden mehrmals täglich und auch nächtlich statt. Diese häufigen Wechsel zwischen Ruhezeiten und Aktivitätszeiten sind für das Reh notwendig, da es einen vergleichsweise sehr kleinen Pansen hat und nur geringe Mengen an Nahrung aufnehmen kann. Eine hohe Aktivität in der sie miteinander spielen, springen, laufen, galoppieren und auch eine rasche Flucht in brenzlichen Situationen meistern ist ihnen gegeben, aber lange Strecken können sie aufgrund ihres kleinen Herzens nicht sprinten und laufen. Ihre Ruhezeiten geniessen sie in geschützter Deckung mit guten Überblickungsmöglichkeiten.

 

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